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Merki will nichts merken

Der Presserat kristisiert den NZZ-Redaktor, der als Politiker Karriere machen will.

17. Februar 2011

Der Luzerner FDP-Parteipolitiker und NZZ-Redaktor Martin Merki schreibt als ob nichts gewesen wäre. Der Presserat befand bereits vor Wochen, „dass es gerade bei einem Lokal- oder Regionalkorrespondent nicht gerade glücklich erscheint, wenn dieser eine politische Funktion ausübt“, dies selbst dann, wenn sie „klar von der journalistischen Tätigkeit getrennt“ werde.

Seit vergangenem Frühsommer ist Martin Merki Fraktionspräsident der FDP-Fraktion im Luzerner Grossen Stadtrat. Weiterhin ist er NZZ-Redaktor und Zentralschweizer Regionalkorrespondent und schreibt auch über Stadtluzerner Politik. Zum Beispiel heute: Merki mokiert sich ironisierend über den „Klotz“ des Anstosses, Felix Kuhns Betonwürfel, der einst in der Fussgängerzone auf der Allmend stehen soll. 



Auf kritische Nachfragen zu seiner Doppelfunktion (Politiker vs. unabhängiger Berichterstatter) hat Merki bis anhin nicht öffentlich Stellung nehmen wollen. Doch der Presserat, die Selbstregulierungsinstanz der Schweizer Medienbranche, bekräftigte bereits Anfang 2011 seine Position vergangener Entscheide und befand, „dass es gerade bei einem Lokal- oder Regionalkorrespondent nicht gerade glücklich erscheint, wenn dieser eine politische Funktion ausübt“, dies selbst dann, wenn sie „klar von der journalistischen Tätigkeit getrennt“ werde. Auch genüge es „zur Herstellung der erforderlichen Transparenz nicht, darauf zu vertrauen, dass eine politische Funktion eines Journalisten der Leserschaft allgemein bekannt“ sei. Anlass für die presserätliche Schelte war eine Beschwerde der Luzerner Jusos gewesen, nachdem Merki im Sommer 2010 über die Auseinandersetzungen über die Sempacher Schlachtfeier berichtet hatte und – gemäss der Einschätzung der Luzerner Jusos – „in verunglimpfender Weise“ insinuiert habe, „dass die Juso eine linksextremistische Partei sei.“ Der Presserat hatte die Beschwerde dann trotzdem abgewiesen, weil „keine derartige Nähe zwischen dem Gegenstand der Berichterstattung und der politischen Tätigkeit von Martin Merki“ bestanden habe. Über den „Klotz des Anstosses“ wird das Stadtparlament allerdings noch zu diskutieren haben, die SVP hat bereits einen Vorstoss eingereicht. Wird Merki dann als Berichterstatter oder als Fraktionspräsident anwesend sein?

P.S. Selbstverständlich hat das Luzerner Presseorgan für selektive rechtsbürgerliche Wahrnehmung NLZ nichts über den Presserat-Entscheid zu Martin Merki berichtet – im Gegensatz übrigens zur NZZ.