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Pfister, Wollenmann & De Bona

Viele Politiker lieben Medien, solange diese ihre Botschaften unkritisch verbreiten. Bei Kritik gehen sie auf Tauchstation. Drei aktuelle Beispiele aus Luzern.

8. April 2011

In der heutigen NLZ-Ausgabe kommentiert Redaktor Lukas Nussbaumer das Ränke- und Trauerspiel des Luzerner Regierungsrates beim Versuch dem abtretenden und pensionsmässig gut versorgten Kollegen Pfister Max (FDP) einen gut honorierten Verwaltungsratssitz (rund 70’000 Franken jährlich) zu zuschanzen. Alle Parteien und Fraktionen haben sich bereits vor Monaten und vor kurzem erneut gegen dieses Vorhaben gewandt, doch der Regierungsrat zeigt kein Politgehör. Und Pfister selbst weigert sich auf Medien-Nachfragen überhaupt zu antworten. Nussbaumer behauptet dann, da Pfister eisern schweige („auch gestern“) nähre er „den Verdacht auf Vetternwirtschaft zusätzlich“. Der Verdacht auf Vetternwirtschaft  oder Postenschacher ist naheliegend und folgerichtig, aber nicht durch das Schweigen genährt. Es ist ein weiteres Beispiel dafür, dass PolitikerInnen in Medien nichts anderes als Sprachrohre sehen, in denen sie ihre Ansichten verbreiten wollen. Kritische Nachfrage ist in ihrem Medienverständnis nicht vorgesehen. Ein Medienverständnis übrigens, mit dem sie beim lokalen Monopolisten gut durchkommen, da das Blatt nur in Ausnahmefällen nachhakt. 

Und Pfister ist nicht allein. Dazu zwei aktuelle Beispiele – Urs Wollenmann, SVP-Gross-Stadtrat und Rico de Bona, einst Littauer CVP-Gemeinderat, nun Stadtluzerner Chefbeamter. Über Wollenmann berichtet heute Erwin Haas im Zürcher Tages-Anzeiger,  der SVP-Kantonsratskandidat habe sich tatsachenwidrig mit einem akademischen Titel geschmückt, wie auch Berufserfahrungen aufgelistet, über die dieser nicht verfüge. Die Reaktion von Wollenmann, sonst mediengewandt und auskunftsfreudig: „Gegenüber dem TA wollte sich Urs Wollenmann nicht äussern.“


Sponsor De Bona

Und da ist auch noch Rico de Bona, einst Littauer CVP-Gemeinderat, nun Stadtluzerner Lohnabhängiger. Er hat im letzten Jahr seiner Littauer Regierungstätigkeit ganz kräftig abgezockt, mehr als der Luzerner Stadtpräsident hat er 2009 auf sein Lohnkonto ausbezahlt erhalten. (Hinter vorgehaltener Hand wird er denn auch gerne „de Boni“ genannt.) Auf Medienanfragen hat er nicht geantwortet, auch nicht in den vergangenen Tagen, nachdem die SF-Sendung „schweiz aktuell“ de Bonas aktive Rolle bei der gesetzlich nicht korrekt erfolgten Auszahlung einer Spende von 20’000 Franken an die Renovation einer privaten Kapelle berichtet hatte.

P.S. Erwin Haas erwähnt im Tages-Anzeiger auch den Arbeitgeber Wollenmanns: Lakeshore International in Zürich. Die Firma bietet “Finanzdienstleistungen für wohlhabende internationale Kundschaft und institutionelle Anleger” an. Wieder einmal ein SVPler, der behauptet die Stimme der kleinen Leute zu sein, ansonsten aber die Interessen der Wohlhabenden bedient. Und da ist noch ein Detail: Mitglied des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung ist Christoph Portmann, ebenfalls aus Luzern, ebenfalls SVP, einst auch SVP-Mitglied des Grossen Stadtrates von Luzern. Bei der SVP würde man da wohl “Filz” schreien.