Meldungen zu Rechtsextremismus und Rassismus in der Schweiz

zurück

Dresden, 11. Februar 2017

Seit vielen Jahren wollen Rechtsextreme die Gedenktage für die Zerstörung Dresdens durch Bomben zur Anklage gegen die Alliierten und zur Beschönigung des Nationalsozialismus‘ nutzen. Allerdings sind die Rechtsextremisten zerstritten, so dass sie dieses Jahr zwei konkurrenzierende Kundgebungen ankündigten. In der grösseren Demo laufen rund 600 Personen mit, zur kleineren kommen knapp zweihundert. Dieser schwache Haufen will am frühen Nachmittag durch Dresdens Strassen laufen, wird jedoch von Gegendemonstranten blockiert und muss umkehren. Am Ausgangspunkt spricht zuerst der Organisator Gerhard Ittner, bereits vorbestraft wegen Volksverhetzung. Er bezeichnet sich selbst als "überzeugten Nationalsozialisten" und lobt den Nationalsozialismus als "Modell für die ganze Welt“.  Die Polizei interveniert nicht. Dann erhält Bernhard Schaub das Wort, eingeführt als "bekennender Holocaust-Leugner" und "Kämpfer für die Wahrheit" an. Auch die Holocaust-Leugnerin Sylvia Stolz erhält dann noch das Mikrofon.
Die Polizei greift trotz der volksverhetzenden Reden nicht ein, kündigt jedoch Ermittlungen an. Nicht nur gegen Ittner.

Kurz nach der Veranstaltung tauchen von Schaubs Rede zwei Videoclips in sozialen Medien auf. Sie zeigen, dass der ehemalige Anthroposoph Schaub die Niederlage Nazideutschlands bedauert: "Alle, die zur weissen Menschengemeinschaft" gehörten, müssten einsehen, "dass sie den 2. Weltkrieg verloren" hätten. Zur Zerstörung Dresdens durch alliierte Bomber erklärt Schaub: "Das war Vernichtung. Das war Holocaust". Und die "Bilder" des Grauens seien "echt, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Bildern", die "schon im Kindergarten gezeigt" würden. Womit er Bilder aus Nazi-Vernichtungslagern als gefälscht abtut.
Verantwortlich für Deutschlands Niederlagen in den beiden Weltkriegen seien, so lässt Schaub wiederholt durchblicken, "die Juden". Ohne allerdings das Wort "Jude" überhaupt auszusprechen. Die "Deutschen" ständen, so Schaub, "anderen Mächtegruppierungen" im Weg. In beiden Weltkriegen hätten "der Westen wie der Osten" Deutschland "wie einen Mühlstein zerrieben". Der Westen, "geistig gelenkt von der Rothschild-Clique", der Osten von der "Marx-Clique". Und weiter: "Grosskapitalismus und Bolschewismus sind keine Gegensätze, sondern die Mühlsteine". Marx und Rothschild seien "die beiden Köpfe der selben Bestie". Dies ein 'Gedankengang', den bereits nationalsozialistische Antisemiten in der Weimarer Republik verbreiteten.