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Holocaust-Leugner Bernhard Schaub strebt mit seiner Europäischen
Aktion eine internationale Dachorganisation von Rechtsextremen an.
Bernhard Schaub, Anführer der Europäischen Aktion EA,
war schon mehrmals in der Ostschweiz aktiv. Seit längerer Zeit
verbreitet der Holocaust-Leugner, der zeitweilig in Kreuzlingen
lebte, seine Schriften über seinen Ghibellinum-Verlag, erreichbar
über ein Postfach in Eschenz. Unter diesen Schriften auch eine
60seitige Broschüre über Ziele und Aufbau der EA. Der
Verlag vertreibt auch eine DVD-Aufnahme jenes Vortrages, den Schaub
Ende Oktober 2009 in einer St. Galler Olma-Halle gehalten hat. An
der Tagung der Anti-Zensur-Koalition, organisiert vom sektiererischen
Christen Ivo Sasek aus Walzenhausen, referierte Schaub über
«Tabus», sprach von der «Auschwitz-Keule»
und erging sich teils unter grossem Applaus in antisemitischen
Mutmassungen.
Mit Mahler und Ahmadinejad
Schaubs Europäische Aktion beansprucht nun Wirkung weit über
die Ostschweiz hinaus. Sie will als «organisierte Bewegung»
einen Zusammenschluss von Rechtsextremisten aus ganz Europa erreichen.
Die Einladung für das «Europa-Fest» wird denn auch
in acht Sprachen verbreitet, von Deutsch über Französisch
und Englisch bis Schwedisch und Ukrainisch. Am «Europa-Fest»
wird Schaub als «Leiter der Europäischen Tagsatzung»
auftreten. Er ist seit längerem international tätig, vor
allem in Deutschland. Zusammen mit Horst Mahler, einst RAF-Anwalt,
heute wegen Holocaust-Leugnung im Gefängnis, agierte er vor
Jahren für die «Reichsidee» und die Wiedereinführung
eines «Deutschen Reiches».
Im Dezember 2006 trat Schaub auch in Teheran auf, an einer von
Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinejad organisierten Konferenz
von Holocaust-Leugnern, dabei auch die Engländerin Michèle
Renouf, die ebenfalls am geplanten «Europa-Fest» auftreten
soll. Ab November 2003 amtete Schaub als Vorsitzender des «Vereins
zur Rehabilitierung der wegen Bestreiten des Holocausts Verfolgten»
(VRBHV), dies bis kurz vor dem Verbot Ende 2008.
Das erste bedeutende Ziel der EA ist die Aufhebung des «Volksverhetzungs»-Paragraphen
in Deutschland, des «Verbotsgesetzes» in Österreich
und des Antirassismus-Gesetzes in der Schweiz. Der Holocaust sei,
so schreibt Schaub, zu «einer Art Weltreligion» erhoben
worden. Schaubs Holocaust-Leugnung dient offensichtlich der Absicht,
nationalsozialistische Anschauungen wieder politikfähig zu
machen. Schaub behauptet denn auch, dass Nazi-Ansichten, ob zu «Rassenfragen
im allgemeinen oder der Judenfrage im besonderen, ob Überfremdung
oder autoritäre Staatsform oder autoritäre Erziehungsmethoden,
ob deutsche Leitkultur oder deutsche Volkslieder und Volkstänze»,
früher «auch die Ansicht jeden normalen Bürgers»
gewesen seien.
Ein Europa nur für Weisse
Die EA strebt ein homogenes Europa von Menschen weisser Hautfarbe
an. Aussereuropäische Einwanderer, die Schaub gelegentlich
«Zivil-Okkupanten» nennt, sollen abgeschoben werden,
ebenso ihre Lebensgefährten: «Weisse Ehegatten begleiten
ihre Partner, Mischlinge siedeln sich in der Heimat ihres farbigen
Elternteiles an.» Auch sollen Eingebürgerte wieder ausgebürgert
und damit vertrieben werden.
Das Ziel ist eine «Europäische Eidgenossenschaft»,
die «aussen- und verteidigungspolitisch» als Grossmacht
auftritt, ansonsten die Macht den einzelnen Nationalstaaten überlässt.
Nicht als Demokratien, sondern als Diktaturen. Die EA nennt es «Gefolgschaftsprinzip»
oder auch «Meritokratie», will heissen «die gesellschaftliche
Vorherrschaft einer durch Leistung und Verdienste ausgezeichneten
Volksschicht». Für die EA entwirft Schaub auch eine geopolitische
Neuordnung der Welt. Diese bedeutete die Vertreibung und Neuansiedlung
von vielen Millionen Menschen; so will die EA, dass 90 Prozent aller
Juden nach Südsibirien auswandern, da ihre Vorfahren aus dem
«Chasaren-Reich» stammen würden.
Neben den politischen Reden planen die EA-Organisatoren einen festlichen
Abend mit Volksmusik, Volkstänzen und einer «Aufnahmefeier
für neue Mitstreiter». Auch sollen alle das von Schaub
verfasste «Europa-Lied» singen, in dessen zweiter Strophe
es heisst: «Weiss ist das Land, rein ist die Hand.»
Trachten und Verschwörungstheorien
Solch nationalsozialistisch inspirierter Klimbim verlangt nach einer
Kleiderordnung: Die Teilnehmer sollen «Trachten oder andere
volkstreue Kleider» tragen, zumindest «weisse Hemden»
und die Frauen «Röcke». Unerwünscht sind hingegen
«Nato-Uniformstücke» und «Monturen pubertärer
angloamerikanischer Subkulturen». Naziskins müssen sich
also als biedere Normalos verkleiden, falls sie überhaupt an
diesem Volkstum- und Kostümball teilnehmen wollen.
Wenn man Schaub glauben will, dann hat die EA bereits wichtige
Gegner. Drei Tage nach Anders Breiviks Massenmord, bezeichnet Schaub
in einem EA-Flugblatt die Tat als «durchsichtige Geheimdienstaktion»,
die sich gegen die «entstehende europäische Widerstandsbewegung
gegen Globalisierung und Nivellierung» richte.
Hans Stutz
St. Galler Tagblatt, 26. August 2011
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