Meldungen zu Rechtsextremismus und Rassismus in der Schweiz

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Deutschschweiz, 30. Oktober 2016

Sonntagszeitungen berichten von zwei rechtsextremen Musikgruppen, die zu Mord und Totschlag aufrufen. Beide sollen aus der Schweiz stammen. Zumindest in einem Fall ist die Vermutung naheliegend.

Beide Tonträger sind anonym erschienen. Beide enthalten sie Todesdrohungen gegen unerwünschte Politiker. Beide sollen sie aus der Schweiz stammen. So jedenfalls behaupten es die Verbreiter der Tonträger. Klar ist, die Bands bewegen sich im rechtsextremen Milieu, die eine nennt sich «Erschiessungskommando», die andere «Mordkommando». Die erste schildert die beabsichtigte Ermordung der thüringischen Politikerin Katharina König (Die Linke) und ihres Vaters, eines deutschlandweit bekannten Pastors und Aktivsten gegen rechtsextreme Tendenzen. «Erschiessungskommando» hat – bis anhin von der Öffentlichkeit unbemerkt - seit 2013 drei CD’s produziert. Noch unklar ist, welche Männer die hetzerischen Musikstücke spielen und woher sie stammen. Die Antifa Bern schreibt von «Indizien», die darauf deuten würden, dass diese Band «ein Projekt» des Zürcher Oberländers Kevin Gutmann sei. Er ist bekannt als Aktivist des Nazi-Skinhead-Netzwerkes Blood and Honour (B&H), sowie als Sänger der Band «Amok», die vor rund zwei Wochen beim Neonazi-Konzert in Unterwasser auftrat. Unklar ist, auf welche «Indizien» sich die Antifa Bern stützt. Weitere Belege sind nicht bekannt.

Bei der zweiten Musikgruppe ist der Bezug zur Schweiz offensichtlich. Der «Mordkommando»-Tonträger, bereits 2014 erschienen, enthält acht Stücke, fünf Lieder richten sich gegen bekannte Schweizer, so gegen die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch, wie auch Wahrsager Mike Shiva. Ein übel antisemitisches Lied droht dem Präsidenten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, Herbert Winter. Ein Song richtet sich gegen den Staat Israel («Bomben auf Israel») und ein weiterer gegen die Zürcher Juden («Bomben auf Wiedikon/Kosher City»), worin sie als «widerliche Gestalten» bezeichnet werden. Unter den Verdächtigten auch hier Kevin Gutmann. Er war dabei als Anfang Juli 2015 eine Gruppe Rechtsextremer in Zürich-Wiedikon einen orthodoxen Juden angriffen.

P.S. Nach der Publikation reichen mehrere Angegriffene Strafanzeigen ein. So der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG), so die Zürcher Stadtpräsident Corine Mauch. Auch Michael Heide und Kurt Aeschbacher kündigen Anzeigen an.