Meldungen zu Rechtsextremismus und Rassismus in der Schweiz

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Region Region Greifswald/Mecklenburg-Vorpommern, 19. Mai 2020

Die Kritik am Covid-19-Lockdown aktiviert auch Reichsbürger, auch den Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub. Er will den Deutschen Kaiser zurück.

Bernhard Schaub, inzwischen rentenberechtigt, einst anthroposophischer Lehrer, dann Holocaust-Leugner und später völkischer Siedler in Mecklenburg-Vorpommern, hat sich in den Spinnfäden rückwärtsgewandter Geschichtsbetrachtungen verfangen. Er will den «Deutschen Kaiser» zurück, konkret die «Einsetzung von Prinz Georg Friedrich von Preussen in seine Rechte». Der momentane Chef des Hauses Hohenzollern, Ururenkel des 1918 verabschiedeten Kaiser Wilhelm II, hat zwar schon mehrmals erklärt, er strebe kein politisches Amt an, aber dies kümmert Schaub nicht. Ablösen soll der Prinz, so Schaub, die «EU-Zwangsherrschaft» und die «Merkel-Diktatur», wie auch die «fremdbestimmte BRD», die «aus dem Hintergrund geführt vom ‚Tiefen Staat‘ durch Figuren wie Bill Gates und George Soros» werde.
So spintisiert Schaub in einem kürzlich verfassten Flugblatt, überschrieben «Die Konterrevolution: Der Weg zur Freiheit», gespickt mit Schlagworten von Corona-Demonstranten. Die «Corona-Krise» sei ein «Riesenschwindel». Regierungen und Medien würden lügen. Ihr Ziel sei «eine globalistische, multikulturelle Weltdiktatur». Nach einer «volkszerstörerischen Migrationspolitik» komme nun die «wirtschaftszerstörerische Corona-Politik samt Freiheits-Abschaffung, Impfzwang und Überwachung von Apps».
Schaub weiss auch bereits die ersten «Schritte», die der neue Kaiser zu tun habe. Neben Auflösung der «BRD-Regierung» und der Parteien, Friedenverhandlungen mit den Alliierten, sollen die alten «Reichsgesetze» wieder gelten und damit Millionen von Einwohnern Deutschland rechtlos werden. Denn, so Schaub, «von der BRD ausgestellte Aufenthaltsbewilligungen und ‚Einbürgerungen‘» seien ungültig. Und ja, die Schweiz soll wieder Teil des Deutschen Reiches werden. Als «Ersatz für die zerfallende EU» sollen sich, so Schaub, Deutschland, Österreich und die Schweiz «ihre Nachbarn zur Mitarbeit» einladen, damit ein «Kerneuropa» entstehe, woraus sich eine europäische Verteidigungsgemeinschaft entwickeln könne.
So abstrus Schaubs Vorstellungen, er ist nicht allein. Für den folgenden Samstag (23. Mai 2020) mobilisieren Reichsbürger für eine Kundgebung beim Bismarck-Denkmal. Auch Bernhard Schaub. In einem Mail an die «Freunde des Deutschen Reiches» ruft er diese dazu auf, an der Kundgebung teilzunehmen. Er sei «an der Planung nicht beteiligt», präzisiert er, unterstütze die Idee «aber grundsätzlich». Offen lässt er, ob er am geplanten Aufmarsch in Berlin dabei sein werde.

Nachtrag vom 24. Mai 2020. Auch Schaub erscheint auf der Kundgebung, wird jedoch von der Polizei eingekesselt zur Identitätskontrolle.