Meldungen zu Rechtsextremismus und Rassismus in der Schweiz

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Zürich, 26. Februar 2019

Das Zürcher Obergericht bestätigt die Verurteilung des Amok-Sängers Kevin Gutmann wegen Rassendiskriminierung, reduziert jedoch das Strafmass der Vorinstanz. Der Mann solle, so der Gerichtspräsident, „eine letzte Chance“ erhalten.

Der antisemitische Angriff hatte im Sommer 2015 breite Medienbeachtung gefunden. Am ersten Julisamstag feierte eine Gruppe von Rechtsextremisten in Zürich-Wiedikon nachmittags einen „Polterabend“. Sie stellten sich einzelnen Juden in den Weg, sie zeigten den Hitlergruss, sie skandierten antisemitischen Verwünschungen und nazistische Botschaften. Passanten riefen die Polizei. Mehrere Patrouillen hielten eine grössere Gruppe von Rechtsextremisten an. Die Zürcher Stadtpolizei berichtete nicht über den Angriff, erst Medienberichte machten Wochen später die Attacke öffentlich.

Im März vergangenen Jahres hatte das Bezirksgericht Zürich den 31-jährigen Kevin G., Sänger der Neonazi-Band „Amok“, mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 2 Jahren sanktioniert, teils als Widerruf von früher teilbedingten Freiheitsstrafen. Nun bestätigte das Obergericht zwar den Schuldspruch wegen Rassendiskriminierung, auferlegte ihm deswegen auch eine unbedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten, doch widerrief sie zwei bedingte Vorstrafen wegen Gewaltdelikten nicht, so dass der „Amok“-Sänger den 12-monatigen Freiheitsentzug wohl in „Halbgefangenschaft“ verbüssen kann. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Gerichtspräsident verwies in der kurzen Urteilsbegründung, auf die mediale Vorverurteilung und die lange Dauer des Verfahrens. Auch scheine sich Gutmann sich seit dem Polterabend "zum Bessern zu verändern“. 

Vor dem Obergericht hatte Kevin Gutmann sich nicht von den rechtsextremen Ansichten distanzieren wollen. Er bestritt die vorgeworfenen Taten, wenn er auch die Anwesenheit am Tatort eingestand. Das Opfer hatte ihn unmittelbar nach der Tat gegenüber Polizisten als Täter bezeichnet.

Seit knapp fünfzehn Jahren betätigt sich der Metzger aus dem Kanton Zürich. in der rechtsextremen Szene. Bereits im Juni 2007 war er beteiligt an einem Angriff auf eine Juso-Kundgebung in Glarus. Über die Szene inaus bekannt wurde er als Sänger der Band „Amok“, die der neonazistischen Bewegung „Blood and Honour“ zumindest nahe steht. Auf ihrer ersten CD stellte "Amok" dem Schreiber im Herbst 2007 den Messertod in Aussicht. Die Band leugnete den Holocaust und phantasierte die Hinrichtung von Männern schwarzer Hautfarbe. Die Bandmitglieder kamen 2010 mit – teils bedingten – Geldstrafen davon. In den folgenden Jahren sammelte der Sänger zwei weitere Verurteilungen, beide wegen Gewaltdelikten. Auch nach dem Wiedikoner Angriff war er mit seiner Band aufgetreten.