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Loyale Arier

Von-Allmen-Mord. Zwischen SVP und Hakenkreuz: die politische Orientierung der Mitglieder des «Ordens der arischen Ritter».

Zwei der drei angeklagten jungen Männer, Michael S. und Renato S., weisen vor Gericht den Vorwurf rechtsextremistischer Gesinnung weit von sich, der dritte, Marcel M., gibt immerhin zu, "früher" Sympathien zu rechtsextremistischen Kreisen im allgemeinen und zum Nationalsozialismus im speziellen gehegt zu haben. Die polizeiliche Hausdurchsuchung bei der Verhaftung förderte bei ihm ja auch einschlägige Materialien zu Tage: Kleber von Gary Laucks NSDAP/AO, eine Broschüre der rassistischen und nationalsozialistischen Skinhead-Vereinigung Blood and Honour Scandinavia, ein Anhänger mit Hakenkreuz an Halskette, sowie Musikkassetten mit "SS-Märschen". Neben Nazi-Devotionalien also auch Propagandamaterial. Weder Beweise noch Indizien finden sich jedoch für Kontakte der Ordensmitglieder mit anderen rechtsextremistischen Organisationen aus der Schweiz.

Zwar hat man auch bei Michael S., eine ganze Schachtel einschlägiger Materialien gefunden: unter anderem zwei Hakenkreuzfahnen, Anstecknopf NSDAP, rund zwei Dutzend CD's mit rechtsextremen Inhalten, Unterlagen der NSDAP/AO inklusive von zwei Exemplaren der Parteizeitung "NS Kampfruf". Doch Michael S. behauptet, er habe die Kiste von Marcel M. zur "Aufbewahrung" erhalten. Er habe zwar gewusst, was darin sei, aber nicht gelesen. Er muss dann aber auch noch eingestehen, auch er habe rechtsextremistische Musik gehört, doch die Texte nicht "studiert". Er sei, behauptet er allen Ernstes, "schon eher bürgerlich, rechts. Vielleicht Mitte-Rechts".

Stolzer Offiziersanwärter
Und der dritte Angeklagte, Renato S., will "grundsätzlich keine politische Einstellung haben, aber mit der SVP sympathisieren. Früher wie jetzt, genau gleich." Im Orden allerdings erhielt er die Funktion eines Chefs der "Arischen Legion" zuerkannt. Der Orden der arischen Ritter wollte seine Fähigkeiten als Unteroffizier der Schweizer Armee nutzen, zum Beispiel für Übungen im Häuserkampf. Er habe sogar, berichtet Renato S. den Richtern stolz, sogar nach den Unteroffiziersschule den "Offiziersvorschlag" erhalten - was zeigt, dass die Schweizer Armee die notwendige Sensibilität im Umgang mit Rechtsextremisten/Rassisten immer mal wieder vermissen lässt.

Doch "früher" ist nicht heute. Er habe sich verändert, behauptet der einstige Nazi-Sympathisant Marcel M., der einst auch Mitglied der Schweizer Demokraten gewesen war. Er sei zwar nun "kein umgekehrter Handschuh, doch nicht mehr antidemokratisch, aber nationalistisch." Doch dann offenbart er seine gefestigte rassistische Weltsicht: Mit "Ausländern aus dem europäischen Kulturkreis" habe er keine Probleme, auch vor der Inhaftierung keine gehabt. In einem Brief aus dem Knast hatte er sich dann beklagt, er sei hier "der einzige weisse Christ (Arier)", alle anderen seien Moslems, Albaner. Auch habe er noch nie "einen geistig gesunden Albaner" gesehen. In der Untersuchung hat er einmal von seinem Ziel eines "Europas freier Völker" gesprochen, ein geläufiger rechtsextremistischer Slogan.

Kriminelle Saubermänner
Was ist also der "Orden der arischen Ritter", dem alle Täter wie auch das Opfer Marcel von Allmen angehört haben? Marcel M. und Michael S. haben die Vereinigung irgendwann im Herbst 1999 gegründet, also über ein Jahr vor der Tat. Die treibende Kraft war Marcel M.. Er führte dem "Orden" weitere Mitglieder zu, insbesondere Marcel von Allmen und den späteren Mittäter Renato S. Man traf sich nur selten gemeinsam, fast alles lief über Marcel M., der auch "Ordensregeln" verfasste. Das zentrale Gebot sei das "Schweigegebot" gewesen, berichten alle Angeklagten vor dem Gericht. Es sei wohl das einzige gewesen, das alle Ordensmitglieder gekannt hätten, räumt sogar Marcel M. ein. Er entwickelte weitere ausschweifende Pläne, von einer Ansiedlung von Freunden und Gleichgesinnten in Südfrankreich, wo das Land und die Häuser billiger seien. Mit der Beschaffung des notwendigen Geldes wartete man nicht lange zu: In wechselnder Zusammensetzung begingen die drei Angeklagten Diebstähle, betrieben einen grösseren Haschisch- sowie einen Waffenhandel. Diese Taten hat das Gericht jedoch nicht zu beurteilen, da, - wie der Untersuchungsrichter schrieb - "diese Straftaten für die zu erwartende Gesamtstrafe" nicht beträchtlich ins Gewicht fallen würden.

Von diesen kleinkriminellen Taten sprechen die Angeschuldigten jedoch nicht, wenn sie sich als Saubermänner vom Bödeli darstellen. Sie hätten, so berichten die drei Angeklagten übereinstimmend, nämlich den Orden als Schutz gegen Kosovo-Albaner und "Leute aus dem Balkan" gegründet. Marcel M. beispielsweise erklärt, man habe das Gefühl gehabt, die Schweizer würden im "Bödeli" verdrängt. Die Ordensmitglieder fühlten sich getragen durch die vorherrschende ausländerfeindliche Stimmung in der Region. Es habe, so Marcel M., einen gewissen Nährboden für antidemokratische Gesinnung und Rechtsextremismus, da durch alle Kreise ein gewisses Gedankengut bereits vorhanden gewesen sei.

So gut wie niemand möchte als Rassist gelten und dennoch behaupte sich das rassistische Denken und Handeln hartnäckig, schrieb vor vielen Jahren der französische Rassismusforscher Albert Memmi. Der Rassismus, so schreibt Albert Memmi weiter, sei stets eine Anklage und eine Verteidigung. "Die Ausrichtung der Beweisführung lässt keinen Zweifel daran, dass es dabei stets darum geht, den Angreifer zu rechtfertigen." Diesmal traf der Angriff einen "Kameraden", zwei weitere junge Männer der Region, ein Kosovo-Albaner und ein Sympathisant des Ordens, entgingen ihrer Ermordung allerdings nur knapp. In der Tat, Rassismus tötet. Bei der beabsichtigten Ermordung des Kosovo-Albaners (recte: des Sympathisanten des Ordens) war das spätere Opfer Marcel von Allmen die treibende Kraft gewesen.

Hans Stutz
Die WochenZeitung WoZ, 18. März 2004
Alle Rechte beim Verfasser.