Meldungen zu Rechtsextremismus und Rassismus in der Schweiz

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Berlin, 27. Juli 2021

Die Berliner Zeitung berichtet: Bis anhin unbekannte Akten würden darauf hinweisen, dass der deutsche Neonazi Frank Schubert wohl kein Einzeltäter gewesen sei und einer rechtsextremen Terrorzelle angehört habe. Er erschoss an Weihnachten 1980 einen Schweizer Grenzwächter und einen Aargauer Polizisten. Die Berliner Zeitung stützt sich auf Ermittlungsakten der Schweizerischen Bundesanwaltschaft, die im Bundesarchiv in Bern aufbewahrt seien. 
Frank Schubert, damals 23-jährig, gehörte zu den führenden Mitgliedern der Volkssozialistischen Bewegung Deutschland, aktiv in der Region Frankfurt am Main. Kurz vor Weihnachten 1980 versuchte er – begleitet von einem Kameraden – in der Schweiz Waffen und Munition zu beschaffen. Als er seine Beute mit einem Schlauchboot beim aargauischen Koblenz über den Rhein transportieren wollte, wurde er von einen Grenzwächter angehalten. Schubert erschoss diesen, später auch einen Aargauer Kantonspolizisten und dann sich selbst. Die Ermittlungen stockten bald. Die Behörden liessen verlauten, bei Schubert handle es sich um einen Einzeltäter.

Dies offenbar wider besseren Wissens. Die Berliner Zeitung weisr nun darauf hin, dass Schubert einer neonazistischen Terrorzelle angehörte und diese bereits mehrere Opfer ausgekundschaftet hatte, neben dem damaligen Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP), auch Heinz Garlinski, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Ein geplantes Attentat gegen den hessischen Innenminister Ekkehard Gries (FDP) sei gescheitert, da die Attentäter im Verkehr steckengeblieben wären.
Offenbar hatte der bundesrepublikanische Verfassungsschutz bereits Anfang der 1980er-Jahre einen V-Mann in die Volkssozialistische Bewegung Deutschland geschleust, in deren Umfeld mehrere terrorwillige Gruppen agierten. Sie wurden erst Anfang 1983 polizeilich aufgelöst, darunter auch jene Zelle, der Schubert angehörte hatte. Die Vorbereitung terroristischer Straftaten, so die Berliner Zeitung, sei ihr jedoch nicht vorgeworfen worden. Dies läge vermutlich daran, dass der Verfassungsschutz die Informationen seiner Quelle, wie auch jener weiterer V-Leute, als nicht gerichtsverwertbar eingestuft habe. Der Anführer der Gruppe sei jedenfalls bald wieder freigelassen worden.