Meldungen zu Rechtsextremismus und Rassismus in der Schweiz

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Frutigen BE, 14. September 2018

"Vor Ort" würden sie sein und mit Cervelats auf die "Islamisierung" hinweisen, verkünden der JSVP-Kreisverband Frutigen-Niedersimmental und der JSVP Wahlkreis Berner Oberland in einer Medienmitteilung, wenn am darauffolgenden Sonntag sich Männer, Frauen und Kinder zu einer "Wanderung mit islamischen Touch" bei einer Luftseilbahnstation treffen würden. Der fundamentalistische Islamische Zentralrat Schweiz hatte eingeladen. Die JSVPler schreiben von "Propagandawanderungen" und behaupten, dass "die Islamisierung im Berner Oberland im Vergleich zu anderen Regionen der Schweiz bereits deutlich spürbar" sei. Interlaken sei "das Epizentrum der islamischen Gesichtsverhüllung der Schweiz" und erinnere "teilweise eher an ein Stadtviertel von Aleppo als an ein beschauliches, traditionelles Bergstädtchen". Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass diese JSVPler noch nie in Aleppo waren, weder vor noch nach der Zerstörung durch den Krieg. Und ach ja, die Cervelats wollte SVP-Nationalrat Andreas Glarner spendieren. Kann er sich dann aber sparen, wie die Berner Zeitung berichtet: "Doch von Cervelats ist an diesem Morgen weit und breit nichts zu sehen. Auch von Mitinitiant Nils Fiechter keine Spur. 'Wir sind von Cervelats auf Gipfeli umgeschwenkt, da sich viele kritische Stimmen aus der Region bei uns gemeldet haben', sagt Fabian Wyssen (Präsident Junge SVP Wahlkreis Berner Oberland)." Die JSVP-Ankündigung nützte die Partei National Orientierter Schweiz PNOS zur Demonstration, mehrere Exponenten, darunter Yannic Nouffer und Tobias Steiger, halten Transparente mit den Parolen "Islamisierung stoppen" und "Eidgenossen schützen, IZRS stürzen". Und auch ein Männergrüppchen christlicher Fundamentalisten offenbart mit lautem Beten und Liedli singen ihr Misstrauen gegen MuslimInnen. "Wir wollen zeigen, dass hier der christliche Gott Vorrang hat", sagt ihr Sprecher Christian Zenger, Adelboden. Frei nach Max Frisch: Ein Herrenglauben sieht sich in Gefahr.