Meldungen zu Rechtsextremismus und Rassismus in der Schweiz

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Lausanne, 7. September 2018

Der Westschweizer Holocaust-Leugner Gaston-Armand Amaudruz stirbt 97-jährig. Er spielte jahrzehntelang eine wichtige Rolle in der rechtsextremen Szene Europas.
Die Nachricht vom Tod Amaudruz‘, geboren im Dezember 1920, vermeldete zuerst Philippe Brennenstuhl, Präsident der Westschweizer Sektion der PNOS und ehemaliger Weggefährte. Weitere Quellen haben den Hinschied inzwischen bestätigt.
Der junge Lausanner Amaudruz, gehörte zu den ersten Männern, die öffentlich in die Rolle eines Nachkriegsnazis schlüpfte. Ab 1946 ist er Mitarbeiter des zuerst in Genf erscheinenden Heftes "Courrier du continent". "1949 veröffentlichte er "Ubu justicier", ein Buch über die Nürnberger Prozesse. "A. lobt darin die Nationalsozialisten und verurteilt die Prozesse von Nürnberg", kommentierte damals die Bundespolizei. Zwei Jahre später beklagte er in einer deutschen Rechtsextremisten-Zeitschrift den Sieg der Alliierten: "Sie haben Europa verraten, während Adolf Hitler sein Möglichstes tat, um es zu retten".
In den folgenden Jahrzehnten war Amaudruz an vielen rechtsextremen Projekten beteiligt, sowohl national wie international. Er publizierte mehrere Bücher, zur Verteidigung des Rassengedankens. Als Mitbegründer der Nationalen Koordination NK betrieb er in den 1980er-Jahren die Verflechtung der helvetischen Rechtaussen. Umgeben von Skinheads sprach er 1989 in Luzern an der ersten Rechtsextremisten-Kundgebung nach dem Zweiten Weltkrieg. Er vertrieb holocaust-leugnende Literatur, bis die Rassismus-Strafnorm in Kraft trat. Mehrmals wurde er wegen Holcaust-Leugnung verurteilt und musste auch einige Monate im Knast verbringen. Erst Ende 2013 gab er die Redaktion des Blättchens „Courrier du Continent" auf, seither wird es vom Holocaustleugner René-Louis Berclaz produziert.

Nachtrag: Bei der Abdankungsfeier (13.09.2018) hält Alexandre Rawyler die Totenrede. Zum Schluss habe Rawyler, so der Bericht eines unbekannten Gesinnungskameraden, zuerst das deutsche Totenlied "Ich hatt' ein Kamerad" gesungen und dann "hob er den rechten Arm als letzten Gruss an unseren verblichenen Freund". Ein Blumenstrauss war versehen mit einer Schleife und dem Text: "Und ihr habt doch gesiegt!". [Alexandre Rawyler ist ein langjähriger Weggefährte Amaudruz, trat aber selten öffentlich auf. Ausser als er auf dem Rütli die Hand zum Hitlergruss hob, dafür auch vor RichterInnen erscheinen musste, doch dann vom Bundesgericht freigesprochen wurde. Rawyler gehörte zu den Mitarbeitern von Amaudruz' Zeitschrift "Courrier due Contient". Er war unter anderem im Vorstand der Vereinigung "Verité & Justice", ein Zusammenschluss von Holocaust-Leugnern, der durch das Bezirksgericht Châtel-Saint-Denis aufgelöst wurde.]