Meldungen zu Rechtsextremismus und Rassismus in der Schweiz

zurück

Lausanne, 7. Dezember 2018

Das Bundesgericht lehnt eine Beschwerde ab, mit der der Haupttäter des Mordes an Marcel von Allmen Lockerungen im Strafvollzug erreichten wollte. Es stützt damit die Einschätzung der Vollzugsbehörden, die weiterhn von einer hohen Rückfall- und Fluchtgefahr ausgehen. Der Mann sitzt sei Februar 2001 hinter Gittern, zuesst in Untersuchungshaft, seit Februar 2002 im Strafvollzug. In zweiter Instanz verurteilte ihn das Obergericht des Kantons Bern im Sommer 2005 wegen Mordes, zweifachen vollendeten Mordversuchs und wiederholter Vorbereitungshandlungen zu Mord zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe.

Hintergrund:
Unterseen BE, 27. Januar 2001
Der 19jährige Sanitär-Installateur-Lehrling Marcel von Allmen, der sich seit Monaten in der regionalen Neonazi-Szene bewegt, verlässt nach zehn Uhr abends seine Freundin mit der Ankündigung, er werde bald wieder zurück sein. Zweieinhalb Wochen später finden Polizisten seine Leiche im Thunersee in über fünfzig Meter Tiefe, den Kopf zerschlagen, den Körper mit Gewichten beschwert. Kurz darauf verhaftet die Kantonspolizei vier junge Männer aus der Region, alle im Alter zwischen 17 und 22 Jahren. Die Verhafteten gestehen bald. Sie sind alle Mitglieder einer bis anhin unbekannten Neonazi-Gruppe, die sich “Orden der arischen Ritter” nennt und bestimmte AusländerInnen aus der Gegend vertreiben will. Die Gruppe hatte Propagandamaterialien von “Blood and Honour” sowie von der NSDAP/AO bezogen. Sie hätten, so die Täter, ihren “Kameraden” in eine Falle gelockt, misshandelt und umgebracht, weil er sich nicht an das vereinbarte Schweigegelübde gehalten habe.
Während den Untersuchungen kommt an den Tag, dass die Verhafteten auch noch die Ermordung eines kosovarischen Jugendlichen und eines missliebigen Sympathisanten versucht hatten. Im März 2003 erkennt das Kreisgericht Interlaken-Oberhasli auf Mord und Mordversuch und verurteilt den Haupttäter M.M. zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe, und seine beiden Mittäter zu 16 Jahren Zuchthaus. Der vierte Tatbeteiligte, der zum Zeitpunkt der Tat noch nicht 18jährig gewesen war, war bereits im Sommer 2002 von einem Jugendgericht wegen Mord zu einer Erziehungsstrafe verurteilt worden.