Meldungen zu Rechtsextremismus und Rassismus in der Schweiz

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Martigny VS, 17. Februar 2022

Rund achtzig Leute sitzen in einem Saal, gerufen von der Vereinigung «Reconquête» (Rückeroberung) Suisse, gegründet um den Wahlkampf des französischen Präsidentschaftskandidaten Eric Zemmour zu unterstützen. In der ersten Reihe thront Oscar Freysinger, einst SVP-Nationalrat, dann glorios abgewählter Staatsrat, nun mit bedingungslosem Einkommen. Doch ein anderer SVP-Exponent ergreift zuerst das Wort, um eine Lobesrede auf den französischen Rechtsextremisten zu halten: Jean-Luc Addor, Nationalrat. «Nur in seinem Namen», betont Addor, üblicherweise steht ja seine Partei für schneidigen Nationalismus, der Einmischung von aussen lauthals ablehnt. Addor kriegt die Kurve schnell, Zemmour kämpfe nicht nur für «Frankreich zuerst», sondern auch «für unsere Zivilisation». Addor nennt ihn einen «Intellektuellen», der «die europäische Zivilisation» verteidige, gegen den Verlust grundsätzlicher Werte kämpfe, gegen unkontrollierte Einwanderung, Islamisierung, Globalisierung, «diese Maschine, die Identitäten und Völker zermahle», offensichtlich Gedankengut von nationalistischen Rechtsaussen und Rechtsextremen. Die gleichen Werte und Ideen, die ihn Addor auch in die Politik getrieben hätten.

Der SVP-Nationalrat hält Zemmour jedoch für einen «Konservativen», aber lobt dessen Engagement gegen den «Grossen Austausch» und für die sofortige «Rückeroberung». Beides Begriffe aus dem rechtsextremen Gedankengut. Konkret meinen sie den Kampf gegen den imaginierten Plan, wonach es eine geheime Absprache für die Auswechslung der einheimischen Bevölkerung durch Migration gebe und gegen die man durch «Rückeroberung» verlorener Gebiete ankämpfen müsse. Für Zemmour gehe es um «Feigheit» oder «Ehre». Und Zemmors Kampf für die «Ehre« will Addor unterstützen.

Nach der Veranstaltung begründet auch Oscar Freysinger sein Engagement für Zemmour, der mehrfach wegen Aufwiegelung zum Rassenhass verurteilt wurde. Gegenüber einem Reporter von Blick Westschweiz erklärt er, Zemmour sei «bei weitem der Beste für Frankreich«. Bedingungslos würde er ihn unterstützen. Wieder einmal haben sich zwei Walliser SVPler ganz weit nach rechts gelehnt.

Der Unterstützerverein «Reconquête Suisse« schaut zuversichtlich dem ersten Wahlgang entgegen. Über Social Media-Kanäle verbreitet er die Botschaft, gemäss neuen Umfrageergebnissen liege Zemmour nun an zweiter Stelle. Ob er es wirklich in die Stichwahl gegen Präsident Emmanuel Macron schafft, bleibt offen. Andere Umfragen sehen ihn an dritter Stelle.

Tachles Online, 21. Februar 2022/hier leicht gekürzt