Meldungen zu Rechtsextremismus und Rassismus in der Schweiz

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Saint-Léonard VS, 16. Mai 2021

Im Walliser Dorf Saint-Léonard existiert seit langer Zeit eine «Judengasse». Unlängst verschwand das Strassenschild. Rechtsextreme dokumentieren deren Abräumen auf Instagram.
Am 16. Mai werden auf Instagram drei Fotos veröffentlicht. Die erste zeigt drei junge Männer vor dem Strassenschild «Ruelle des Juifs» (Judengasse), die zweite verdeutlicht, dass das Schild verschwunden sei und die dritte dokumentiert, wie zwei Männer deutlich machen, Juden würden stinken. Das Verschwinden des Schildes blieb vorerst unbemerkt, Tage später reichte die Gemeinde eine Strafanzeige ein. Dies berichtete «Tribune de Genève» knapp vier Wochen später. Die Walliser Kantonspolizei bestätigt, dass sie gegen Unbekannt wegen Diebstahl und Sachbeschädigung ermittle, ebenso wegen einem möglichen antisemitischen Motiv. Ihr Mediensprecher will sich aber gegenüber der Genfer Tageszeitung nicht über die mutmasslich Verantwortlichen äussern, da die Untersuchung noch im Gange sei.
Die abgebildeten Männer sind bekannt. Sie gehören der Gruppe Swastiklan Wallis an, manchmal auch Radikal Sion genannt. Die Walliser Tageszeitung «Le Nouvelliste» hatte Anfang November 2021 deren Existenz öffentlich gemacht. Mehrere Fotos dokumentieren, dass mehrere Gruppenangehörige Tätowierungen mit nationalsozialistischen Symbolen tragen.
Gegenüber «Tribune de Genève» erklärte der Historiker Barthélemy Gillioz der Strassenname verweise darauf, dass um 1870 eine jüdische Familie mehrere Jahre in dieser Gasse gewohnt habe.