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Freysinger: Vorwärts in die Vergangenheit

„Minister“ Oscar Freysinger reiste wieder einmal ins Ausland. Er will zusammen mit Russland die Zivilisation retten.

In der Sendung „Arena“ des Schweizer Fernsehens vom Vortag behauptete der SVP-Chefstratege Blocher Christoph am Freitag, die SVP sei „eine schweizerische Partei“ und gehe „nicht mit ausländischen  Parteien zusammen“. Er gab dann noch von sich, SVP-Vizepräsident Oscar Freysinger habe ihm erklärt, „er sei  nicht dort“. Nämlich an der Konferenz der Rechtsaussen-Postille Compact, herausgegeben vom Journalisten Jürgen Elsässer. Angekündigt waren neben „Minister Freysinger“ auch André Poggenburg, Mitglied Bundesvorstand der Alternative für Deutschland AfD, ebenso Lutz Bachmann, Gründer der islamophoben Pegida-Bewegung. Dazu auch  Martin Sellner, Exponent der österreichischen Identitären, einer rechtsextremen Bewegung. Hat Blocher geschummelt? Hat er strategisch gelogen? Wir wissen es nicht. Nachweisbar jedoch: Am Tage darauf stand der SVP-Vizepräsident Freysinger in Berlin als Redner auf der Bühne. Er stilisierte  zuerst die Kritik an der Veranstaltung als Angriff auf die Meinungsäusserungsfreiheit. Dem Publikum gefiel es. Er holte sich die Sympathien der Islamophoben: „Seit der Minarett-Abstimmung ist die Schweiz kein besetztes Territorium mehr“. Er präsentierte sich als Kulturpessimist und christlicher Reaktionär, auch wider die Französische Revolution, ergo die Menschenrechte. Er behauptete, die Worte "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" seien „abgewetzte Begriffe und kein Ersatz für die vorbehaltlos liebende Seele“. Er warb für ein strategisches Zusammengehen mit Putins Russland, wider die „Hybris der angelsächsischen Welt“,  gestützt auf die Demut der christlich-orthodoxen Welt: „Sollte Russland unterliegen, ist unsere Zivilisation endgültig am Ende.“

Hans Stutz
Tachles Online, 5. November 2016
Alle Rechte beim Verfasser.